Die Anfänge 1840 – 1936

In den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts gründeten sich in Hamburg Vereine, die mit der Politik der Erbgesessenen Bürgerschaft – vorwiegend waren deren Mitglieder Großkaufleute – nicht einverstanden waren. Sie vertraten, wie zum Beispiel der Bürgerverein der Nicht-Grundeigentümer, wirtschaftliche und politische Interessen sowohl von Stadtteilen, als auch von Bevölkerungsgruppen, um die sich keine der zu jener Zeit bestehenden Institutionen kümmerte.

Der erste Bürgerverein wurde 1843 auf St. Pauli gegründet und gewann bald an politische Bedeutung. Seine Gründung war eine Reaktion auf den großen Hamburger Brand von 1842, in dessen Folge eine große bürgerliche und vaterstädtischer Selbstbesinnung durch alle Stadtteile ging. Diese Selbstbesinnung führte zu einer scharfen Kritik gegen den obrigkeitlich regierenden Senat sowie den öffentlichen Institutionen, deren Leistungssteigerungen hinter dem Wachstum der Großstadt zurückgeblieben waren.

Später kam es mit dem weiteren Wachstum der Stadt zur Gründung neuer Bürgervereine in den äußeren Vororten. Sie kümmerten sich um Straßennamen und Hausnummern und übten Druck auf den Hamburger Senat aus, damit dieser für angemessene sanitäre Einrichtungen, Wasserversorgung sowie Beleuchtung und Pflasterung der Straßen sorgte. Später übernahmen die Bürgervereine auch die Ausrichtung der Wahlen zur Bürgerschaft und wurden wesentlicher Bestandteil der nicht durch Statuten festgelegten Verfassung der Stadt.

1886 schlossen sich die zehn Bürgervereine mit ihren etwa 2000 Mitgliedern am 7. Juni durch die Wahl eines provisorischen Vorstandes zum Zentralausschuß zusammen. Am 5. Juli 1886 wurde der reguläre Vorstand gewählt. Der erste Vorsitzende, der in Anlehnung an die Präsides der Behörden den Titel Präses erhielt, wurde Pastor Otto Schoost. Ihm zur Seite standen ein Vice-Präses, ein Schriftführer, ein Schatzmeister und ein Beisitzer zur Seite.

Als im Jahr 1892 in Hamburg die Cholera wütete wurde durch die Bürgervereine Notstands-Stadtteilkommitees gebildet. Während die Männer die Hilfe organisierten, wurde häufig die eigentliche Arbeit von den Frauen der Bürgervereinsmitglieder geleistet (vgl. Evans 1990).

Bis zur Jahrhundertwende wuchs die Zahl der Mitgliedsvereine rasch auf 28 mit rund 7.000 Mitgliedern. Im Jahr 1905 waren es dann bereits 42 Mitgliedsvereine mit 12.500 Mitglieder. Präses des Zentralausschusses zu diesem Zeitpunkt war Dr. Carl Albrecht, der dieses Amt bereits in den letzten Jahren vor dem Ersten Weltkrieg – der die Arbeit unterbrach – innehatte. Sein Nachfolger wurde im April 1933 Pastor Robert Stuewer.

Die Arbeit der Bürgervereine war in den folgenden Jahren nicht besonders gefragt. Dass aus dem Präses ein Verbandsführer wurde, lag auf der politisch-ideologischen Linie. Man versuchte schließlich im Juli 1936 eine Art innere Emigration, da es keine Chancen kommunalpolitischer Tätigkeiten gab. Hierzu legten die Bürgervereine ihren Mitgliedern den Beitritt zur neu gegründeten „Vereinigung Niederdeutsches Hamburg“ nahe.

Die Nachkriegszeit  1946  – 2014

Die Wiederbelebung des Zentralausschusses erfolgte 1946. Vom Vorsitzenden des Bürgervereins zu Hamburg von 1871 vorangetrieben, erhielt dieser zunächst für seinen Verein und dann am 18. März für den „Zusammentritt des Zentralausschusses der Bürgervereine“, von der Militärregierung die Genehmigung.

Gustav C.J. Süßmilch wird 1947 neuer Präses, des 19 Mitgliedsvereine umfassenden Zentralauschusses. Der Neuanfang sieht verheißungsvoll aus. An Arbeit fehlt es in der ersten Nachkriegszeit nicht und die Initiativen des Zentralauschusses und der Bürgervereine helfen mit, Not zu lindern und akute Probleme sachgerecht zu lösen. Einsatz und Erfolge lassen die Zahl der Mitgliedsvereine bis 1948 auf 31 wieder anwachsen.

1949 übernimmt Emil Felkenneyer das Amt des Präses. Ein Jahr später, 1950, hat sich die Mitgliederanzahl wieder auf 7.000 erhöht und der Zentralausschuß erhält seine erste Geschäftsstelle in der Ehrenbergstraße in Altona. 1951 steigt die Zahl der Mitgliedsvereine erneut bis auf 41 Vereine an. Ein eigene Monatszeitschrift „Der Hamburger Bürger“ erscheint zwischen den Jahren 1953 bis 1972 und wird aus Kostengründen wieder eingestellt. Seitdem hat sich die Öffentlichkeitsarbeit wieder stärker auf die einzelnen Vereine verlagert, von denen viele regelmäßig eine eigene Vereinszeitschrift  herausgeben.

Mit dem Wechsel des langjährigen Präses Michael Weidmann zu Dr. Herlind Gundelach 2012, steht erstmals eine Frau an der Spitze des Zentralausschusses.

Der Zentralausschuß – ein altrechtlicher Verein

Der Zentralausschuß Hamburgischer Bürgervereine ist ein altrechtlicher Verein, da er bereits vor dem Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches am 1. Januar 1900 bestanden hat. Im Gegensatz zu jüngeren Vereinen sind altrechtliche Vereine nicht im Vereinsregister des jeweiligen Amtsgerichtes eingetragen – sie verwenden also nicht den Zusatz „e. V.“ – und werden auch nicht von dort beaufsichtigt. Einige altrechtliche Vereine, wie der Zentralausschuß, verwenden den Zusatz „r. V.“, als Abkürzung für rechtsfähiger Verein. Aus diesem Grund kann im Rechtsverkehr nur mittels einer Vertretungsbescheinigung und nicht durch einen Registerauszug nachgewiesen werden, wer den Verein nach außen vertritt.